Detektor-Radios
gibt es viele. Die Idee ist so alt wie der Rundfunk selbst. Doch alle
haben eines gemeinsam, sie benötigen zum Betrieb keine externe
Energiequelle. Die von der Antenne aufgenommene Hochfrequenz reicht
aus, um die Rundfunksendung wiederzugeben. Ich möchte aber hier
nicht die grundlegenden Dinge dieser Empfänger beschreiben. Vielmehr
soll der Bau eines modernen Detektorempfängers in verschiedenen
Stufen erläutert werden. Nach einiger Recherche im Internet sowie
zahlreichen Versuchen mit den verschiedenen Schaltungen ist die folgende
Schaltung entstanden.

Sie besteht
im wesentlichen aus dem Antennenkreis, dem Abstimmkreis mit anschließender
Demodulation und NF-Auskopplung sowie einem zusätzlichen Saugkreis,
dessen Bedeutung später noch erklärt wird. Die Realisierung
dieser Schaltung zeigt das nachfolgende Bild.

Auf der
linken Seite befindet sich der eigentliche Antennenkreis, auf der
rechten Seite ist die Wabenspule des Empfangsschwingkreises zu erkennen.
Alle Spulen sind auf ca. 200uH ausgelegt. Hierfür werden etwa
65 Windungen benötigt. Das Kästchen ganz rechts beinhaltet
die restlichen Bauteile wie Abstimmkondensator, Demodulatordioden
sowie einen Ausgangsübertrager. Zwischen Antennen- und Abstimmkreis
ist der Saugkreis, auch Trap genannt, platziert. Die Spule des Empfangsschwingkreises
ist fest montiert, die beiden anderen Kreise sind über Schubstangen
frei beweglich. Damit kann eine mehr oder weniger feste Kopplung untereinander
realisiert werden.
Da die
komplette Schaltung ohne aktive Bauelemente auskommen muss, sind zwei
Faktoren von besonderer Tragweite. Als erstes wird eine sehr gute
Antenne benötigt. Hier verwendet man Langdrahtantennen welche
isoliert aufgehängt werden. Es gilt die einfache Formel je höher
und länger, desto besser. Näheres hierzu folgt am Ende dieses
Beitrags. Die zweite Bedingung ist die Konstruktion von Schwingkreisen
hoher Güte. Nur so ist ein Detektorempfänger zu realisieren,
der außer dem Ortssender noch weitere Stationen empfangbar macht.
Mit der üblichen Spule aus Papprolle und Kupferlackdraht ist
dieses Kriterium kaum zu erfüllen. Wir benötigen hierfür
einen guten Drehkondensator, sowie entsprechende Wabenspulen aus HF-Litze.
Im Zeitalter der digitalen Empfangstechnik sind passende Bauteile
inzwischen rar geworden. Daher kann schon die Suche danach etliche
Zeit in Anspruch nehmen. Passende Drehkondensatoren findet man noch
in älteren Radiogeräten, die benötigten Luftspulen
aber wohl kaum. Hier bleibt dann oft nur der Selbstbau. Auf der Suche
nach geeigneten Materialien bin ich bei Fa. REINHÖFER
electronic fündig geworden. Hier werden neben den passenden
Spulenbausätzen und HF-Litzen auch die restlichen Bauteile angeboten.
Damit hat man das Beschaffungsproblem auf elegante Art gelöst
und erspart sich so manche Enttäuchung.
Ich habe
beim Bau mit dem eigentlichen Empfangskreis begonnen. Alle Bauteile
finden in einem kleinen Holzkästchen Platz. (auf dem Bild oben
rechts zu erkennen) Nur die Wabenspule wurde außerhalb montiert.
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Hier
ist der innere Aufbau recht deutlich zu erkennen. Die beiden
Anschlüsse der Spule sind in diesem Bild noch über
eine abgeschirmte Leitung nach innen geführt. Ich habe
diese später durch zwei Einzeldrähte ersetzt. Die
Schwingkreisgüte hat dies positiv beeinflusst. Auf jeden
Fall ist auf eine kurze Leitungsführung zu achten.
Punkt 1 zeigt die Spule des Abstimmkreises
Auf
einer kleinen Platine (Punkt 2) sind die restlichen Bauteile
wie Demodulatordioden und ein Kondensator aufgelötet. Auch
diese Platine habe ich später durch eine Freiluftverdrahtung
ersetzt. Dadurch waren Änderungen schneller möglich,
eine Empfangsverbesserung konnte ich aber deswegen nicht feststellen.
Punkt 3 zeigt den Abstimmkondensator. Es sollte ein guter Luftdrehkondensator
verwendet werden. Weniger geeignet sind sog. Quetscher. Bei
der Montage ist darauf zu achten, dass der Drehko isoliert montiert
wird. Bei fast allen Drehkondensatoren ist das Stator-Paket
mit dem Gehäuse elektrisch verbunden. Diese Seite des Kondensators
bildet in unserem Schwingkreis das "kalte Ende" also
diejenige Seite, welche auf Masse liegt. Punkt 4 zeigt die Achsverlängerung
nach außen, ebenfalls isoliert.
Punkt 5 zeigt den Übertrager. Er dient dazu, den niederohmigen
Kopfhörer an den Demodulator anzupassen. Früher hat
man hierfür spezielle hochohmige Kopfhörer verwendet.
Allerdings waren auch diese Kopfhörer noch relativ nierohmig.
(2000 Ohm) Der hier verwendete Übertrager kommt auf eine
Impedanz von 150k Ohm. Damit wir der Empfangskreis deutlich
weniger belastet was die Trennschärfe und Empfindlichkeit
der gesamten Schaltung deutlich erhöht.
Punkt 6 zeigt die Kopfhörerbuchse. Dank des Übertragers
lassen sich handelsübliche Kopfhörer mit 32 Ohm Impedanz
anschließen. Auf einen hohen Wirkungsgrad ist aber zu
achten. Ein guter Wert ist >112dB Schalldruck.
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Als
zweites wurde der Antennenkreis angefertigt. Auf der Oberseite
(hier nicht sichtbar) ist die Wabenspule montiert, auf der Unterseite
ist der Drehkondensator sowie die beiden Anschlüsse für
Antenne und Erde zu sehen.
In der endgültigen Version habe ich noch einen zusätzlichen
Schalter eingebaut. Dieser schließt den Drehkondensator
kurz sodass nur die Empfangsspule wirksam ist. Je nach verwendeter
Antenne und Frequenz brachte dies einen Empfangsvorteil. Wichtig
ist auch hier der isolierte Aufbau. Die Stator-Seite des Drehkos
wird auch hier wieder mit dem kalten Ende der Schaltung (hier
Erde) verbunden.
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Jetzt wurden
beide Komponenten auf einem Holzbrett montiert. Der Antennenskreis
ist auf zwei Schienen aus Aluminium aufgebaut. Dadurch kann die Empfangsspule
mehr oder weniger fest (oder lose) an den Abstimmkreis angekopplet
werden. Je loser die Kopplung, desto trennschärfer (aber auch
leiser) wird der Empfang. Die Kopplung erfolgt rein induktiv. Die
Spulen sind so angeordnet, dass sie sich genau gegenüber stehen.
Je weiter voneinander entfernt, desto geringer ist die magnetische
Kopplung.
Eine andere Variante wäre das Verdrehen oder Verschieben einer
der beiden Spulen. Auch hierdurch kann die Kopplung mehr oder weniger
fest eingestellt werden. Diese Variante ist bei alten Radios üblich.
Man spart so etwas Platz und die Konstruktion ist nicht so aufwändig.
Noch ein Satz zum Erdpotential. Es darf nicht mit dem Massepotential
des Empfangskreises verbunden werden. Der Empfangskreis ist völlig
isoliert aufgebaut. Wie bereits erwähnt erfolgt die Kopplung
rein induktiv.
Hier nun ein Bild der ersten Detektorversion.

Mit dieser
Variante wurden die ersten Empfangsversuche unternommen und meine
Befürchtungen sollten sich bewahrheiten. Nur 6km von mir entfernt
steht ein Mittelwellensender welcher mit 600 KW Strahlungsleistung
sendet. Außer diesem Sender war zunächst nichts zu hören.
Ebenfalls am gleichen Standort sendet ein weiterer Sender mit 10KW
Strahlungsleistung. Diesen konnte ich je nach Abstimmung ebenfalls
hören. Er wurde jedoch von dem stärkeren Sender massiv überlagert.
Damit war die Enttäuchung zunächst einmal groß und
ich wartete auf den Einbruch der Dunkelheit. Nach Sonnenuntergang
breitet sich die Mittelwelle wesentlich besser aus. Auch hierzu findet
man im Netz sehr viele Aufsätze. Kaum war es dunkel, wurde der
Empfänger erneut getestet. Jetzt waren plötzlich mehrere
Stationen empfangbar. Der 10KW Sender stellt um 18.00 Uhr seinen Betrieb
ein und der 600KW Sender befindet sich mit seinen 1422kHz eher am
Ende des Rundfunkbandes. Somit war bis etwa 1000kHz mehr oder weniger
brauchbarer Empfang möglich. Aber auch hier war der Ortssender
noch gut zu hören. So konnte ich am ersten Abend (Nacht) etwa
5-6 unterschiedliche Sender empfangen.
Einige Tage nach diesem ersten Versuch wurde der 600KW Sender in den
Abendstunden vom Netz genommen. Vermutlich wurden Wartungsarbeiten
durchgeführt. Auf jeden Fall hatte ich ca. 30min die Möglichkeit,
ohne diesen "Störsender" meinen Detektor zu testen.
Dabei konnte ich jede Menge Stationen empfangen. Doch nach den 30
Minuten war wieder der alte Zustand erreicht. Was konnte ich tun?
Ich dachte darüber nach, wie man in einem "normalen"
Empfänger die Trennschärfe erhöht. So kam ich zu dem
Schluss, einen weiteren Kreis in die Schaltung einzusetzen. Der "Saugkreis
oder Trap" war die Idee. Ich fertigte eine weitere Spule an und
lötete sie zusammen mit einem weiteren Drehkondensator zu einem
Schwingkreis zusammen. Diesen koppelte ich zwischen Antennen und Empfangskreis
ein. Mit diesem zusätzlichen Kreis konnte ich die störende
Beeinflussung durch den Ortssender deutlich reduzieren. Nach einem
Umbau des Detektors entstand nun die endgültige Schaltung, wie
sie bereits oben abgebildet ist.
Auch dieser zusätzliche Kreis ist variabel auf den beiden Schienen
montiert. Die Praxis hat gezeigt, dass er im Idealfall genau in der
Mitte der beiden Kreise platziert werden sollte. Mit Hilfe eines Schalters
kann der Schwingkreis unterbrochen werden. Somit hat er keinen Einfluss
mehr auf die restliche Schaltung und kann beliebig dazu- oder weggeschaltet
werden.
Hier noch einige Bilder des Detektors.
In der
jetzigen Version sind tagsüber 4 Stationen empfangbar, in den
Nachtstunden teilweise über 20. Dabei können Radiosender
aus ganz Europa empfangen werden. Die Lautstärke ist dabei noch
recht annehmbar. Von Vorteil ist ja bei dieser Art des Empfangs das
völlige Fehlen eines Rauschens. Man hört entweder einen
Sender oder aber nichts.
Als Antenne nutze ich einen Langdraht, dieser befindet sich in 8m
Höhe und ist ca. 40m lang. Der Antennendraht besteht aus 2mm
verzinktem Stahldraht. Die Enden sind isoliert aufgehängt (sehr
wichtig). Entsprechende Isoliereier gibt's im Amateurfunkfachhandel.
Das eine Ende des Drahtes führt direkt zum Detektor. Auch der
Erdanschluss ist wichtig. Ich habe eine direkte Verbindung zur Potentialausgleichsschiene
im Keller hergestellt. Aber auch Heizungsrohre sind geeignet.
Beim Bau solcher Antennen ist der Blitzschutz nicht zu vernachlässigen.
Auch können durch statische Aufladungen ganz schöne Spannungen
entstehen. Je nach Wetterlage kann ich Funken von mehreren cm Länge
gegen Erde ziehen. Nicht umsonst wurde früher mit dem Hinweis
"Vergesst nicht Eure Antennen zu erden bevor sie Euch erden"
auf die Gefahren hingewiesen.
Als hilfreich hat sich ein kleiner Weltempfänger mit Digitalanzeige
bewährt. Damit kann man die aktuell eingestellte Radiostation
schnell identifizieren. Ein Blick auf die eingestellte Frequenz genügt.
Empfangslisten der in Deutschland zu empfangenen Mittelwellensender
sind im Netz reichlich zu finden.
Die passenden Übertrager sind nicht so leicht zu finden. Aber
auch hier kann die Fa. REINHÖFER
Electronic passende Varianten liefern. Als Alternative eignen
sich auch bedingt die Übertrager aus ELA-Anlagen (100V Technik)
Diese sind im einschlägigen Elektronikhandel erhältlich.
Die Demodulatordioden sind ebenfalls ein heikles Thema. Der früher
verwendete Detektorkristall hat hier natürlich ausgedient. Wir
verwenden moderne Schottky-Dioden. Da diese recht günstig zu
erwerben sind lohnt die Anschaffung mehrerer Typen. Man kann dann
seine eigenen Empfangsversuche durchführen. Oftmals findet man
auch die Möglichkeit, mehrere Dioden parallel zu schalten. Hier
sind dem Bastler keine Grenzen gesetzt.
Welche Verbesserungen sind noch möglich?
Zum einen könnte man eine noch größere Antenne errichten.
Auch wäre eine Rahmenantenne denkbar. Vielleicht ist diese Antennenform
eine interessante Alternative für Leute mit beengten Platzverhältnissen
im Garten. Ansonsten bleibt nur noch die Verbesserung der Schaltung.
Eine weitere Erhöhung der Trennschärfe ist durch das Einfügen
eines weiteren Kreises möglich. Noch wichtiger erscheint mir
aber die Aufteilung des Frequenzbandes in mehrere Bereiche. Die C-Abstimmung,
wie hier praktiziert, hat nämlich den Nachteil, dass bei zunehmender
Frequenz die Bandbreite immer mehr ansteigt. Gegen Ende des MW-Bandes
hat man eine um den Faktor 5-10 höhere Bandbreite als am Bandanfang.
Dies ist nur zu umgehen, indem man mehrere Teilbereiche mit untereschiedlichen
Induktivitäten zusammenschaltet. Man nähert sich also mehr
oder weniger einer induktiven Abstimmung indem das Kapazitätsvariationsverhältnis
immer geringer wird. Die echte induktive Abstimmung wäre ebenfalls
von Vorteil, jedoch ist dies mechanisch sehr aufwändig zu realisieren.
Zukünftige Projekte:
Wenn man erst einmal mit solchen Gerätchen experimentiert hat,
möchte man natürlich noch das ein oder andere in dieser
Richtung fertigen. Relativ einfach ist die Erweiterung der Schaltung
auf Langwelle. Man benötigt nur entsprechende Spulen mit höherer
Induktivität. Alles weitere bleibt gleich. Bei historischen Geräten
machte man aus diesem Grund die Spulen steckbar. Wesentlich interessanter
ist jedoch die Kurzwelle. Als der Detektor in den 20er Jahren des
vorigen Jahrhunderts seine erste Blüte hatte, waren die Kurzwellen
noch weitgehend unerschlossen. Nur wenige Funkpioniere tummelten sich
dort. Radiostationen gab es noch keine. Heute ist dies anders. Daher
werde ich als nächstes einen geeigneten Kurzwellenempfänger
konstruieren.
Da die Luftspulen recht aufwändig in der Herstellung sind und
zudem viel Platz beanspruchen, werde ich bei zukünftigen Bauvorhaben
die Wabenspulen durch entsprechende Schalenkerne ersetzen. Die hierfür
geeigneten Ferritmaterialien sind heute gut erhältlich. Früher
standen Materialien mit diesen ferromagnetischen Eingenschaften nicht
zur Verfügung. Daher sucht man sie in alten Detektoren vergeblich.
Sobald ein funktionsfähiges Gerät entstanden ist, werde
ich an dieser Stelle berichten.
Abschließende Bemerkung:
Heute ist der Detektor weitgehend in Vergessenheit geraten. Durch
den Einsatz moderner Halbleiter ist diese Art des Empfangs nicht mehr
notwendig. Ein einziger Chip beinhaltet ein komplettes AM-Radio. Als
Antenne genügt ein kleiner Ferritstab. Aber die rasante technische
Entwicklung hat auch die Leistungsfähigkeit der übrigen
Bauteile deutlich verbessert. Der Kristalldetektor wird heute durch
empfindliche Schottky-Dioden ersetzt. Es sind HF-Litzen mit ausgezeichneten
Daten herstellbar, die Isolationsstoffe wurden wesentlich verbessert.
Es gibt Ferrite, die früher technisch nicht realisierbar waren.
Aber auch auf der Senderseite wurde kräftig aufgerüstet.
Stationen mit mehreren 100KW Sendeleistung sind keine Seltenheit.
Aus all diesen Gründen kann man heute echte Hochleistungsdetektoren
fertigen welche durchaus mit dem ein oder anderen Superhet konkurrieren
können. Auf jeden Fall ist es ein interessantes Betätigungsfeld
und ganz nebenbei gibts Radio ohne Strom.
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