Giftige Kondensatoren ?

Von Ludwig Niermeyer, Teningen

Stellt sich eigentlich diese Frage dem Radiosammler? Zur Beantwortung teilen wir die verschiedenen Kondensator-Bauformen in vier Kategorien ein:

1)      Ganz unproblematisch sind die "trockenen" (nicht nass imprägnierten) kleinen Kondensatoren, nämlich Konden­satoren mit Glimmer oder Keramik als Dielektrikum, oder auch die modernen, kleinen Kondensatoren aus metallisierter Kunststoff-Folie (MK-Typen) mit axialer Bedrahtung oder für Leiterplatten-Bestückung. Alle diese Kondensatoren sind (fast) harmlos. Man erkennt sie am Material, an der Bauform und / oder an der Beschriftung mit entsprechenden Buchstabenkombinationen, also z.B. Micaxxx, Keraxxx, Calit, MKP, MKS, MKT.MKV...

2)      Unproblematisch sind auch die "trockenen" Papierkondensatoren, auch die "trockenen" Becherkondensatoren. Diese "unverschlossenen" PK sind allenfalls mit dem harmlosen Paraffin imprägniert. Man erkennt sie daran, dass sie keine öldicht schließenden Deckel haben, d.h. sie sind nur mit einem Klecks Bitumen "verschlossen" (Rollkondensa­toren), oder sie haben nur aufgesetzte Deckel aus Hartpapier oder dergleichen.

3)      Elektrolyt-Kondensatoren (Elkos) sind Grenzfälle. In den normalen Radios für den Hausgebrauch wurden nur Elkos mit problemlosen Elektrolyten auf wässriger Basis eingesetzt. Elkos mit den schon nicht mehr ganz harmlosen Elektrolyten auf Lösemittel-Basis wurden in Geräten für einen erweiterten Temperaturbereich eingesetzt, z.B. in der kommerziellen Elektronik, aber auch in Auto-Radios. Elkos tragen immer eine entsprechende Beschriftung (Electrolytic Capacitor, Elyt usw.) mit Polaritätskennzeichnung.

Alle oben genannten Kondensatoren der Kategorien 1) bis 3) sind unkritisch. Einzelstücke davon im Hausmüll dürften der Umwelt keinen Schaden zufügen. Darüber hinausgehende Mengen von ausgebauten  Kondensatoren dieser Kategorien und Schrott-Chassis von alten Radios sollte man aber (wegen ihres möglichen Gehaltes an umwelt­schädlichen Schwermetallen) vorsichts­halber immer zum Elektronik-Schrott geben, der von allen Gemeinden gesondert erfasst wird.

4)      Problematisch sind die "nassen" Kondensatoren, die keine Elkos sind: öldichte Becherkondensatoren für Stark­strom-Anwendungen und öldichte Be­cherkondensatoren für hohe Betriebs­spannungen. Diese Kondensatoren sind potentiell gefährlich wegen ihrer mögli­chen Füllung mit dem sehr giftigen PCB. Die Abkürzung PCB bedeutet Poly Chlorierte Biphenyle. PCB wurden unter dem Handelsnamen "Clophen" seit An­fang der 30er Jahre in großen Mengen hergestellt und in Transformatoren und Kondensatoren als Isolieröl eingesetzt. Clophen bedeutet "Chloriertes Phenol". Es ist im Gegensatz zu den bis dahin eingesetzten Mineralölen chemisch sehr stabil und fast unbrennbar. Erst viel später, in den 70er Jahren, wurde entdeckt, dass PCB die Gesundheit und die Umwelt gefährden, und dass sie (bei zu tiefer Temperatur verbrannt) zum äußerst giftigen Seveso - Gift Dioxin zer­fallen können. Einige dieser Kondensatoren wurden auch entsprechend gekennzeichnet: "CONTAINS PCB". Meistens jedoch ist aus der Beschriftung des Kondensators die Tränkung mit PCB nicht im Klartext ersichtlich.

Deshalb: Alle Nicht-Elektrolyt-Konden­satoren im Metallbecher mit öldicht schließendem Deckel gehören zur potentiell gefährlichen Kategorie 4) !

Öldicht schließende Deckel erkennt man daran, dass die Deckel aufwendig rundum mit dem Gehäuse verschweißt, verlötet oder verbördelt sind, und dass die elektrischen Zuführungsdrähte aufwen­dig abgedichtet durch den Gehäuse­deckel geführt sind, z.B. mit rundum verlöteten Keramik-Durchführungen. Diese Kondensatoren sind fast immer auch für eine hohe Betriebsspannung ausgelegt. Je höher die zulässige Be­triebsspannung ist, um so wahrschein­licher ist die Füllung mit PCB.

Solche dicht verschlossenen Becher­kondensatoren der Kategorie 4) dürfen nicht geöffnet werden, sie gehören nicht in den Hausmüll und sie dürfen keines­falls verbrannt werden. Beruhigend ist aber, daß solche Kondensatoren norma­lerweise in unseren alten Radios nicht vorkommen.

Wer sich umfassend über die PCB-Problematik informieren will, dem sei der Aufsatz in der Zeitschrift "funk", Jg. 1984, H. 12, S.32-33: "Zeitbombe in der Bastel­kiste" von Karl H. Hille empfohlen.

(aus Funkgeschichte Nr. 119)