Giftige
Kondensatoren ?
Stellt sich eigentlich diese Frage dem
Radiosammler? Zur Beantwortung teilen wir die verschiedenen Kondensator-Bauformen
in vier Kategorien ein:
1)
Ganz
unproblematisch sind die "trockenen" (nicht nass imprägnierten) kleinen
Kondensatoren, nämlich Kondensatoren mit Glimmer oder Keramik als Dielektrikum,
oder auch die modernen, kleinen Kondensatoren aus metallisierter Kunststoff-Folie
(MK-Typen) mit axialer Bedrahtung oder für Leiterplatten-Bestückung. Alle diese
Kondensatoren sind (fast) harmlos. Man erkennt sie am Material, an der Bauform
und / oder an der Beschriftung mit entsprechenden Buchstabenkombinationen, also
z.B. Micaxxx, Keraxxx, Calit, MKP, MKS, MKT.MKV...
2)
Unproblematisch
sind auch die "trockenen" Papierkondensatoren, auch die "trockenen"
Becherkondensatoren. Diese "unverschlossenen" PK sind allenfalls mit
dem harmlosen Paraffin imprägniert. Man erkennt sie daran, dass sie keine
öldicht schließenden Deckel haben, d.h. sie sind nur mit einem Klecks Bitumen
"verschlossen" (Rollkondensatoren), oder sie haben nur aufgesetzte
Deckel aus Hartpapier oder dergleichen.
3)
Elektrolyt-Kondensatoren
(Elkos) sind Grenzfälle. In den normalen Radios für den Hausgebrauch wurden
nur Elkos mit problemlosen Elektrolyten auf wässriger Basis eingesetzt. Elkos
mit den schon nicht mehr ganz harmlosen Elektrolyten auf Lösemittel-Basis wurden
in Geräten für einen erweiterten Temperaturbereich eingesetzt, z.B. in der kommerziellen
Elektronik, aber auch in Auto-Radios. Elkos tragen immer eine entsprechende
Beschriftung (Electrolytic Capacitor, Elyt usw.) mit Polaritätskennzeichnung.
Alle oben genannten Kondensatoren der
Kategorien 1) bis 3) sind unkritisch. Einzelstücke davon im Hausmüll dürften
der Umwelt keinen Schaden zufügen. Darüber hinausgehende Mengen von ausgebauten
Kondensatoren dieser Kategorien und Schrott-Chassis von alten Radios
sollte man aber (wegen ihres möglichen Gehaltes an umweltschädlichen Schwermetallen)
vorsichtshalber immer zum Elektronik-Schrott geben, der von allen Gemeinden
gesondert erfasst wird.
4)
Problematisch
sind die "nassen" Kondensatoren, die keine Elkos sind: öldichte
Becherkondensatoren für Starkstrom-Anwendungen und öldichte Becherkondensatoren
für hohe Betriebsspannungen. Diese Kondensatoren sind potentiell gefährlich
wegen ihrer möglichen Füllung mit dem sehr giftigen PCB. Die Abkürzung PCB
bedeutet Poly Chlorierte Biphenyle. PCB wurden unter dem Handelsnamen "Clophen"
seit Anfang der 30er Jahre in großen Mengen hergestellt und in Transformatoren
und Kondensatoren als Isolieröl eingesetzt. Clophen bedeutet "Chloriertes
Phenol". Es ist im Gegensatz zu den bis dahin eingesetzten Mineralölen
chemisch sehr stabil und fast unbrennbar. Erst viel später, in den 70er Jahren,
wurde entdeckt, dass PCB die Gesundheit und die Umwelt gefährden, und dass sie
(bei zu tiefer Temperatur verbrannt) zum äußerst giftigen Seveso - Gift Dioxin
zerfallen können. Einige dieser Kondensatoren wurden auch entsprechend gekennzeichnet:
"CONTAINS PCB". Meistens jedoch ist aus der Beschriftung des Kondensators
die Tränkung mit PCB nicht im Klartext ersichtlich.
Deshalb: Alle Nicht-Elektrolyt-Kondensatoren
im Metallbecher mit öldicht schließendem Deckel gehören zur potentiell gefährlichen
Kategorie 4) !
Öldicht
schließende Deckel erkennt man daran, dass die Deckel aufwendig rundum mit dem
Gehäuse verschweißt, verlötet oder verbördelt sind, und dass die elektrischen
Zuführungsdrähte aufwendig abgedichtet durch den Gehäusedeckel geführt sind,
z.B. mit rundum verlöteten Keramik-Durchführungen. Diese Kondensatoren sind
fast immer auch für eine hohe Betriebsspannung ausgelegt. Je höher die zulässige
Betriebsspannung ist, um so wahrscheinlicher ist die Füllung mit PCB.
Solche dicht verschlossenen Becherkondensatoren
der Kategorie 4) dürfen nicht geöffnet werden, sie gehören nicht in den Hausmüll
und sie dürfen keinesfalls verbrannt werden. Beruhigend ist aber, daß solche
Kondensatoren normalerweise in unseren alten Radios nicht vorkommen.